Warnungen vor der Abstimmung: Bedenken zu Baugrund und Finanzen
Vor der Abstimmung am 27.09.2026 äussern zwei Leserbriefe massive Bedenken zum Zentrumsprojekt. Dossenbach warnt vor Baurisiken im Untergrund wegen Seekreide. Bühler kritisiert das Projekt als teuren Luxus, der höhere Steuern bringt.
Übersicht
Schmerikon am Scheideweg: Vergoldeter Luxus oder finanzielle Vernunft?
Leserbrief von René Bühler, Kantonsrat, Schmerikon

Ein intensiver Abstimmungswettstreit neigt sich dem Ende zu. Am 27. September entscheiden wir, wohin Schmerikon steuert: Zahlen wir künftig über höhere Steuern für einen vergoldeten Dorfplatz – oder legen wir den nötigen Marschhalt ein?
Die Gemeindeführung hat unser schönes Seedorf auf einen finanziellen Holzweg manövriert. Die Folgen sind eine Verdopplung der Pro-Kopf-Verschuldung und ein Eigenkapitalabbau von 20 Prozent.Trotz der privilegierten Lage am Zürichsee ist Schmerikon inzwischen Schuldenmeister der Region und eine kantonale Schuldenhochburg. Gleichzeitig wird unser Projekt mit dem Fischmarktplatz in Rapperswil verglichen, und Gemeindepräsident Brunschwiler zieht sogar noch den Sechseläutenplatz als Vergleich heran. Jetzt warte ich nur noch darauf, dass bald der Times Square als Vergleich herangezogen wird. In meinen Augen ist das ein klares Zeichen von Grössenwahn, der nicht zu unserem beschaulichen und charmanten Seedorf passt.
Generationenprojekt oder Generationenlast?
Die Gegner der Initiative werben gezielt um Jugendliche für dieses angebliche „Generationenprojekt“. Doch die Argumentation hinkt: Wer kaum eigene Steuern zahlt, übersieht leicht die realen Kosten. Zudem widerspricht das Projekt jeglicher Erziehung zur Finanzkompetenz. Einem Jugendlichen raten wir, sich kein Luxusauto auf Pump zu kaufen, wenn das Geld fehlt. Beim Dorfplatz verlangt man von ihm nun genau das Gegenteil: Klotzen statt Kleckern auf Kredit.
Wo echtes Sparpotenzial liegt
Das Argument der Initiativgegner, man solle bei den laufenden Ausgaben statt bei den Investitionen sparen, hält keiner Alltagsprobe stand. In jedem Privathaushalt gilt: Wer sparen muss, schiebt die Anschaffung eines Neuwagens oder teure Ferien auf. Bei den täglichen Fixkosten lässt sich kaum etwas einsparen. Echtes Potenzial liegt dort, wo Ausgaben nicht zwingend notwendig sind, sondern Luxusbedürfnisse bedienen.
Schönrechnerei als Schildbürgerstreich
Ein Blick ins Abstimmungsbüchlein zeigt zudem Schönrechnerei unserer Behörden: Zinsen und Abschreibungen werden mit jährlich 300'000 Franken beziffert. Doch die Tilgung des 11-Millionen-Kredits wird schlicht unterschlagen. Selbst bei einer Amortisation über 50 Jahre fliessen jährlich weitere 220'000 Franken ab.
Sehenden Auges den Griff in Ihr Portemonnaie absegnen
Die Gegner geben im Interview mit der LInthzeitung vom 15.09.2026 offen zu, dass sie kein Problem mit Steuererhöhungen haben. Wird die Initiative abgelehnt, folgt die Quittung direkt mit der nächsten Steuerrechnung. Wir stehen vor einer Richtungsentscheidung: Nutzen wir am 27. September unsere Chance für finanzielle Vernunft!
Wird die Tiefgarage auf Seekreide gebaut?
Leserbrief von Meinrad Dossenbach
Vor kurzem erst erfuhr ich, dass Bauprojekte in Ufernähe beim Obersee/Zürichsee speziell schwierige Verhältnisse vorfinden können. Wegen dem Untergrund, der vielfach mit Seekreide angereichert ist. Mir fehlte die Zeit, mich mit den Fachleuten der Projektgruppe Zentrumsgestaltung darüber auszutauschen. Ich finde es aber wichtig, darüber zu berichten:
Seekreide hat eine geringe Tragfähigkeit wegen dem extrem hohen Wassergehalt und ist kaum belastbar. Statt einer normalen Verpfählung von etwa 6 bis 7 Metern Tiefe ist offenbar aufgrund der Seekreide eine massive Verankerung nötig. Sie sollte etwa 20 Meter oder mehr bis in einen tragfähigen Grund reichen. Was natürlich für die Bauarbeits—Dauer und die Baukosten Folgen hat.
Schlechte Erfahrungen
Mit Seekreide hatte und hat man schon rings um den Zürichsee Probleme. Nur zwei Beispiele. Da war mal das Seewasserpumpwerk an der Rüeschliker Grenze zu Thalwil. Man unterschätzte die Beschaffenheit des Bodens. Der erste, unzureichend gesicherte Rohbau hielt dem Gewicht auf diesem Schlammboden nicht stand und glitt in den See ab.
Bekannter ist wohl, dass die Stadtzürcher Quaibrücke Bürkliplatz-Bellevue rutscht. Sie ist deswegen unter Dauerbeobachtung, sprich sie muss aufwändig stets beobachtet werden. Für die Untersuchung, die Projektierung von Sanierungsmassnahmen sowie die Einrichtung der Echtzeitüberwachung hat der Zürcher Stadtrat den Projektkredit 2023 auf insgesamt 5,86 Millionen Franken erhöht. Eine Sperrung der Brücke sei aktuell aber nicht notwendig, hiess es damals.
Die Zustimmung zur Initiative gäbe Gelegenheit, auf dieses nicht ganz nebensächliche Thema ausführlich einzugehen. Vielleicht könnten wir Schmerkner klarer sehen, was da beim Bau der Tiefgarage auf uns zukommt: Haben die voraussehbaren Erschütterungen während der Bauzeit für die nahen Wohnanlagen/Geschäfte Auswirkungen - nicht zuletzt auch auf den Bahnhof? Wird in Schmerikon nach der Fertigstellung eine ständige Messstation nötig? Sind diese Kosten in der bisherigen Berechnung ausgewiesen oder wenigstens angedacht?
Meinrad Dossenbach