Streitpunkt Zentrumsentwicklung: Leserbriefe zur geplanten Dorfplatzgestaltung
Am 27. September stimmt Schmerikon über die Neugestaltung des Dorfplatzes ab. Drei Leserbriefe beleuchten die aktuelle Debatte: Braucht das Seedorf die geplante Tiefgarage oder eher einen Marschhalt für eine alternative Gesamtlösung? Lesen Sie hier die Argumente von Katharina, Jaqueline und Anita.
Übersicht
Es ist eine Auslegeordnung und eine übergeordnete Gesamtlösung gefragt
Leserbrief von Katharina Dossenbach
In den Diskussionen mit vielen berechtigten und vielleicht weniger berechtigten Argumenten – jedoch nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt der finanziellen Belastbarkeit zukünftiger Generationen – fehlt mir eine Gesamtübersicht der anstehenden Probleme der Gemeinde Schmerikon. Es ginge doch darum, gemeinsam anstehende Probleme anzugehen… und akzeptable Lösungen (oder auch Kompromisse) für A l l e zu finden. Mir fehlt die Vision einer sich zu entwickelnden Gemeinde – für zukünftige Generationen.
Eine gesamtheitliche Perspektive ist gefragt unter Einbezug verschiedener Akteure.
Mit dem Bahnhof im Zentrum und dem Autobahnanschluss hat Schmerikon eine hohe Erschliessungsqualität. Dennoch sind die Kapazitäten für den Autoverkehr begrenzt (Dorfdurchfahrt, Bahnübergang resp. Erschliessung der Gewerbegebiete).
Schmerikon ist ein Ort mit beschränktem Raum, vielfältigen Nutzungsansprüchen und komplexen Zusammenhängen. Bauten, Freiräume, Verkehr, Klima und viele weitere Themen müssten aus einer integralen Sicht betrachtet werden.
Zu all dem hat Schmerikon eine bevorzugte Lage am See, ist ein beliebter Wohn- und Arbeitsort… und lockt nicht zuletzt viele BesucherInnen aus der Region an. All dies gilt es, in einer Gesamtschau in Bezug auf eine gute Gemeindeentwicklung für die Zukunft zu berücksichtigen – und Lösungen zu finden, die stimmig sein können für Alle.
Ja… es fehlt die Vision für das schöne Seedorf – und die aktuellen Debatten um die Zentrumsgestaltung zeigen, wieviele Fragen noch ungelöst sind.
Ein Ja zur Initiative erlaubte den nötigen Marschhalt, um einen Prozess anzustossen, der die mittel- bis langfristige Entwicklung von Schmerikon erlaubt. Dies anstelle einer kurzfristigen Einzellösung, die auf Jahrzehnte hinaus mit hohen Kosten verbunden ist.
Ich bin Grossmutter von in Schmerikon lebenden Enkelinnen – und Mitglied einer Arbeitsgruppe Städtebau+Architektur in Zürich. Wir sind Architekten, Städteplaner und ich bin dabei als Architekturpsychologin. Ich bringe jeweils die Sicht der Menschen in Bezug auf ihre Grundbedürfnisse und ihre Verhaltensweisen ein.
Als Arbeitsgruppe setzen wir uns intensiv mit Visionen für Orte (europaweit) auseinander – auch damit, wie ein lebenswerter Ort für die Zukunft gestaltet sein will.
Katharina Dossenbach
Mut zur Weiterentwicklung: Ja zum Dorfplatz mit Tiefgarage
Leserbrief von Jacqueline Meyer Menzi
Ich bin in Schmerikon aufgewachsen. Nach mehreren Jahren auswärts bin ich zurückgekommen und habe mich hier niedergelassen, weil ich mich in unserem Seedorf wohl fühle.
Es hat sich viel verändert seit meinen Kindertagen. Schmerikon ist gewachsen und ein modernes Dorf mit fortschrittlicher Infrastruktur geworden – eine attraktive Wohngemeinde, die immer weiterwächst, mit einer hohen Lebensqualität. Dabei ist die pittoreske alte Häuserzeile an der Hauptstrasse, das charakteristische und unverwechselbare Herzstück unseres Dorfes, erhalten geblieben.
Das Gebiet südlich der Hauptstrasse passt augenfällig nicht dazu: ein grosser, hässlicher, chaotischer und darum gefährlicher Parkplatz. Er ist entstanden in den späten 1850er Jahren durch die Aufschüttung des Geländes zur Erstellung des Eisenbahntrassees. Südlich der Bahnlinie wurde 2015 die heutige moderne Seeanlage fertiggestellt. Das ehemalige Industriegebiet wurde dadurch massiv aufgewertet und für eine breite Öffentlichkeit als Erholungsraum nutzbar gemacht.
Es ist höchste Zeit, auch das grosse Gebiet des Parkplatzes sinnvoll in unser Dorf zu integrieren. Das vorliegende Bauprojekt mit Dorfplatz und Tiefgarage ermöglicht es, das Gebiet effizient zu nutzen: mit dem Dorfplatz als autofreie und sichere Begegnungszone und der Tiefgarage zum Unterbringen der zahlreichen Motorfahrzeuge. Die Tiefgarage garantiert eine gute Erreichbarkeit des Dorfkerns, die besonders für ältere oder gehbehinderte Menschen wichtig ist. Zudem bietet sie den zahlreichen Kunden einen praktischen Zugang zu den Geschäften und Restaurants und trägt damit zu deren Umsatzerhöhung bei.
Wir Steuerzahler können uns das vorliegende Bauprojekt mit Dorfplatz und Tiefgarage finanziell leisten. Das wurde von der Seite der Befürworter des Projektes ausführlich und klar dargelegt.
Setzen wir uns jetzt gemeinsam ein für die Neugestaltung eines attraktiven Dorfplatzes als sicheren Begegnungsraum, der zu unserer einzigartigen historischen Häuserzeile passt, und der Tiefgarage für eine gute Erreichbarkeit des Dorfkerns für alle.
Wenn wir den Mut haben für eine zukunftsgerichtete Weiterentwicklung unseres Dorfes, sind wir ein Vorbild für die jungen Generationen und legen den Grundstein dafür, dass auch sie sich hier niederlassen und zum nachhaltigen Wohlstand und Fortschritt von Schmerikon beitragen.
Darum stimme ich:
NEIN zur INITIATIVE,
JA zum DORFPLATZ MIT TIEFGARAGE
Jacqueline Meyer Menzi
Abstimmung Dorfplatzgestaltung in Schmerikon vom 27. September 2026
Leserbrief von Anita Schönmann-Kriech
Der Schlagabtausch ist perfekt, die Argumente individuell und das Engagement lässt das Ziel erahnen, welches dahintersteckt!
Hinter Allem stellt sich mir die Frage, was waren die entscheidenden Argumente, um dem Stimmbürger nach jahrelangem planen das Projekt als Gesamtpaket mit Tiefgarage und der Dorfplatzgestaltung vorzulegen. Die Initiative hat gezeigt, dass schon lange die Meinungen auseinander gehen. Warum hat man nicht schon damals reagiert?
Sehr gerne rufe ich in Erinnerung, wir brauchen eine Verkehrsregelung, wo die Sicherheit, aber auch der Platzbedarf für ein kurzes Einkaufen multifunktionell und nachhaltig gestaltet werden sollte.
Eine Tiefgarage gehört nicht vorgelagert vor ein altehrwürdiges, schützenswertes Dorf. Vor allem, wenn man einbezieht, wie eine Tiefgarage in 20 Jahren aussieht. Die Frage stellt sich auch, ob man sich auf dem Dach einer Tiefgarage Erholung sucht, wenn der See so nahe ist. Bäume in grossen Töpfen spenden wohl Schatten, sie werden aber nie auf gutem Grund wachsen können.
Alle, die den Dorfplatz verschönern wollen, können dies sehr vielseitig mit den Parkplätzen eingeordnet und integriert auf Augenhöhe. Die Tiefgarage ist meines Erachtens am falschen Platz und birgt langfristige Probleme. Jedes Planungsbüro hat innert kürzester Zeit Vorschläge, die dem Kantonalen Strassenprojekt angegliedert werden können. Oder liegen diese noch bereit? Man kann, wenn man will, dem Willen der Bevölkerung nachkommen. Leider ist diese momentan zweigeteilt, was nicht unbedingt förderlich für eine langfristige, nachhaltige Zukunft ist.
Ich bin der Überzeugung, dass die Zentrumsgestaltung zügig umgesetzt werden kann, wenn alle miteinander ein gemeinsames Ziel anstreben. Hoffnungsvoll positiv bin ich gegenüber allen Stimmberechtigten, die eigenverantwortlich eine Dorfplatzgestaltung anstreben, die Bedürfnisse abdeckt, ohne dass neue Probleme entstehen.
Die geänderte finanzielle und politische Situation seit der Abstimmung 2021 muss ich hier nicht wiederholen. Die Meinung, das Empfinden, aber auch die eigenen Bedürfnisse dürfen wir hier mit einer allfällig erneuten Situation bestimmen und dankbar sein. Änderungen im Leben sind immer eine Herausforderung, um zu lernen, zu überdenken, um inne zu halten, damit eine nachhaltige Entwicklung möglich wird.
Wir sind keine Grossstadt, sondern ein kleines schönes, idyllisches Dorf am See, dem die Geschichte Traditionen und Werte hinterlegt.
Ein JA zur vorliegenden Initiative bringt der veränderten Situation die Chance für eine gemeinsame, vertretbare Lösung.
Alle Beiträge zum Thema Dorfplatz:

