Einigkeit beim Platz, Streit um die Garage: Drei Stimmen zur Dorfplatz-Initiative
Vor der Abstimmung zur Schmerkner Dorfplatz-Initiative am 27.9. prallen die Meinungen aufeinander: Die Tiefgarage weckt Ängste vor Baulärm und hohen Kosten, aber auch die Sorge vor einem Investitionsstopp. Einig sind sich die Verfasser nur bei einem: Ein neuer Dorfplatz muss her.
Was die Initiative wirklich bedeutet
Leserbrief von Emmanuel Kuster
Das Initiativkomitee «Zukunft Schmerikon» warnt vor der heutigen Verschuldung, kritisiert die hohe Pro-Kopf-Verschuldung und lehnt höhere Steuern für Investitionen ab. Gleichzeitig fordert es aber eine neue, günstigere Zentrumsgestaltung.
Genau hier liegt der Widerspruch: Auch eine «Zentrumsgestaltung light» kostet mehrere Millionen Franken- mit grosser Wahrscheinlichkeit fast gleich viel oder noch mehr als das bereits genehmigte Projekt - dies einfach ohne Tiefgarage.
Es stehen weitere Infrastrukturprojekte und zusätzliche Investitionen an (Hallenbad, Entlastungsstrasse). Wer sagt, Schmerikon könne sich wegen der Verschuldung die heutige Zentrumsgestaltung nicht leisten und gleichzeitig weder zusätzliche Schulden noch höhere Steuern akzeptiert, muss deshalb auch erklären, wie all diese anderen Projekte finanziert werden sollen.
Hinter der Initiative steckt damit mehr als nur der Verzicht auf die Tiefgarage: Konsequenterweise bedeutet diese Finanzpolitik, dass auch andere grössere Investitionen künftig verschoben, stark reduziert oder ganz gestrichen werden müssten. Auch die «Zentrumsgestaltung light» bliebe aus dieser Optik nicht finanzierbar oder müsste auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Wie Grossprojekte bei einem drohenden Hin und Her des Wählerwillens überhaupt sinnvoll projektiert und auch realisiert werden können, ist mehr als fraglich.
Diese versteckte Konsequenz sollte bei der Abstimmung mitbedacht werden. Wer will, dass Schmerikon auch künftig in wichtige und langfristige Infrastruktur investieren kann, sollte die Initiative ablehnen.
Zwängerei für eine Bauerei?
Leserbrief von René Schwizer

Bauen und immer wieder bauen in Schmerikon. Klar muss man zwingend wichtige Sanierungen und Erweiterungen machen. Doppelspur Ausbau SBB, Sanierung Goldbergbach Kirchgasse / Hauptstraße etc. Gerade im Bereich Kirchgasse hat es geheißen Bauzeit 4 – 5 Monate es wurden 9 Monate daraus und mit sehr viel Dreck, großem Lärm und unwegsamen Zugängen vor allem für ältere und kleine Kinder. Auch hat es Schäden an und in den Gebäuden gegeben.
Da frage ich mich schon, wie lange die Zeitspanne ist, für einen Bau einer Tiefgarage mitten im Dorfzentrum, wie werden die Zugänge zum Bahnhof und den Perons gewährleistet, wie komme ich zu den Geschäften an der Hauptstraße, was für Umwege muss man da gehen. Alles fragen die offen und unbeantwortet sind. Weil es auch keiner mit Bestimmtheit sagen kann.
Klar könnte man den Dorfplatz schöner gestalten wäre ich absolut dafür, vielleicht würden dann auch ein paar wenige Parkplätze wegfallen. Aber seien wir doch mal ehrlich, an schönen Wochenenden und in den Ferien wird jetzt schon mangels Parkplätze im Dorf rund um den Dorfplatz und den neben Gassen wild parkiert. Da reicht eine Tiefgarage mit 70 Plätzen nirgends hin.
Auch empfinde ich es mittlerweile als eine reine Zwängerei der Befürworter der Tiefgarage dieses Projekt durchzuziehen. Im späteren Zeitpunkt, wenn der Anschluss an die Industrie besteht, dort über eine Oberirdische Parkgarage zu diskutieren und Planen. Sogenannt P+R.
Eine wunderbare Begegnugnszone haben wir ja an der vielbenutzten Seeanlage. Wenn meine Schwiegermutter aus Zürich, Freunde aus dem In und Ausland zu besuch kommen dann wollen die doch nicht auf dem Dorfplatz verweilen, sondern an den See.
Viel wichtiger wäre es doch, dass man das Geld für anständige großzügige WC-Anlagen ausgibt und nicht für eine Tiefgarage. WC-Anlagen am besten deren 2, auf dem Dorfplatz gut sichtbar und an der Seepromenade verteilt, mit Duschen diese kostenpflichtig, und Wickeltisch für unsere kleinsten Mitbürger selbstverständlich barrierefrei gebaut.
Dann muss man auch nicht mehr im Migrolino anstehen oder unsäglichen Sommerprovisorien Benutzen. Das WC vom Pier ist ja auch keine wirkliche Alternative.
Eine sanfte Sanierung des Dorfplatzes und die Seepromenade aufrüsten kostet sicherlich keine 15-20 Millionen. Dies könnte man sicherlich zeitnah und mit viel weniger Aufwand realisieren verbunden mit geringem Aufwand weniger Lärm, Dreck und weiteren Unannehmlichkeiten.
Ich stimme am 27. September mit Überzeugung JA zur Dorfplatz-Initiative, weil ich denke, dass unsere Steuergelder für sinnvollere Projekte ausgegeben werden sollten. Davon gibt es bekanntlich genügende.
Dorfplatz für alle
Leserbrief von Peter Beutler
Der Neugestaltung des Dorfplatzes und dem entsprechenden Projekt hat die Bürgerschaft im Jahre 2021 mit knapper Mehrheit zugestimmt. Die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger von Schmerikon wollen auch heute noch eine Neugestaltung. Die Meinungen bezüglich einer Tiefgarage gehen jedoch auseinander.
Eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürger wollen eine Neugestaltung des Dorfplatzes ohne Tiefgarage. Begründet wird die Ablehnung vor allem mit den hohen Kosten. Wieso waren diese Kosten im Jahr 2021 nicht gleich stark gewichtet worden?
Einer der Gründe ist das überaus unglückliche Statement des Gemeindepräsidenten, dass es mit unseren Finanzen so schlecht steht, dass eine 10% Steuerfusserhöhung nötig sei. Die Schulden sind zu hoch. Diese Aussage erschreckte viele Bürgerinnen und Bürger. Uns was sagt der findige Neinsager aus dem Jahre 2021? Er packt die Chance am Schopf und lanciert eine Initiative. Alles korrekt und einer Demokratie würdig.
Wie weiter?
Ob die Bürgerschaft JA oder NEIN zur Initiative sagt, stellen wir am 27. September fest. Eines steht aber fest: Alle wollen einen neuen Dorfplatz. Und genau das muss Auftrag an den Gemeinderat und die Baukommission sein. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten eine speditive Weiterarbeit.
Bei einem Nein zur Initiative und demzufolge einem Ja zum aktuellen Projekt wird von uns erwartet, dass die Einspracheverhandlungen zügig erledigt und lösungsorientiert abgeschlossen werden. (Seit 2024 wird verhandelt). Nur so kann der ursprüngliche Zeitplan eingehalten werden.
Bei einem Ja zur Initiative wird von uns genauso zügiges Weiterarbeiten erwartet. Die Gegner der Initiative fürchten zehn Jahre Stillstand. Und genau das will niemand. Ein Ja zur Initiative verlangt einen schnellen und positiv ausgerichteten Neustart mit all der Erfahrung und dem Wissen, das man sich in den letzten Jahren angeeignet hat. Aufeinander zugehen heisst die Devise. Kopf in den Sand ist keine Option.
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