Schmerikon verabschiedet sich von fixen Schulgrenzen: Flexibilität statt Zonenplan

Die Schule Schmerikon steht vor einer Änderung bei der Klasseneinteilung. Mit dem neuen Zuteilungsreglement reagiert die Gemeinde auf die zunehmende Belastung im Schulhaus Sand und setzt künftig auf pädagogische Kriterien statt auf starre geografische Grenzen.

Schmerikon verabschiedet sich von fixen Schulgrenzen: Flexibilität statt Zonenplan
Das Oberstufenschulhaus im Juli 2024 (Foto: Thomas Müller, 8716.ch)

Über Jahre hinweg war die Welt in Schmerikon klar dreigeteilt: Wer im Osten wohnte, ging ins Schulhaus Sand; wer im Westen zu Hause war, ins Zentral. Die Wohnzone Mitte entweder oder. Doch dieses einfache Modell der "Wohnzonen" ist an seine Grenzen gestossen. Die Gemeinde Schmerikon hat nun ein neues Reglement verabschiedet, das am 3. Februar 2026 vom Gemeinderat erlassen wurde und die bisherige Praxis grundlegend verändert.

Chancengleichheit wiederherstellen

Hintergrund der Reform ist eine besorgniserregende Entwicklung in der Zone Ost. Laut einer Medienmitteilung der Gemeinde häuften sich dort zuletzt Defizite im Sozialverhalten und reduzierte schulische Leistungen. Die starren Zonen führten dazu, dass im Schulhaus Sand Klassen entstanden, in denen der Betreuungsaufwand so enorm stieg, dass Lernfortschritte gemäss Lehrplan kaum noch möglich waren. Besonders das "Mittelfeld" der Schüler litt unter diesen unbefriedigenden Zuständen.

Um die Chancengleichheit wiederherzustellen, verzichtet das neue Reglement vollständig auf die fixen Abgrenzungen zwischen den Schulhäusern.

Ein neuer Kriterienkatalog

Anstelle der Landkarte tritt jetzt ein priorisierter Kriterienkatalog, der der Schulleitung mehr Spielraum für eine ausgewogene Klassenzusammensetzung gibt. Die Zuteilung erfolgt künftig nach folgenden Prioritäten:

  1. Schulweg: Dieser muss zumutbar sein, wobei besonders auf die jüngsten Kinder im Zyklus 1 geachtet wird.
  2. Klassengrösse: Ziel bleiben ausgeglichene Schülerzahlen pro Klasse.
  3. Förderbedarf: Der Betreuungsaufwand (eingeschätzt durch Fachstellen wie den Schulpsychologischen Dienst) wird aktiv berücksichtigt.
  4. Muttersprache: Eine Durchmischung bezüglich der Sprachkenntnisse wird angestrebt.
  5. Sozialgefüge: Zwischenmenschliche Aspekte innerhalb der Klasse fliessen ein.
  6. Geschlecht: Eine Balance zwischen Mädchen und Jungen wird gesucht.

Der Weg zur Neuerung

Die Notwendigkeit für diesen Schritt zeichnete sich bereits im Mai 2025 ab, als ein besonders starker Jahrgang mit über 50 Kindergartenkindern die Zuteilung vor enorme Herausforderungen stellte. Im August 2025 wurde das alte Reglement zunächst durch eine "Notfall-Klausel" für Einzelfälle ergänzt, um kurzfristig auf unausgeglichene Klassen reagieren zu können.

Mitsprache der Bürger

Das neue Reglement ist jedoch noch nicht endgültig in Stein gemeisselt. Da es dem fakultativen Referendum untersteht, haben die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Schmerikon das letzte Wort.

Die Eckdaten zum Referendum:

  • Frist: 12. Februar 2026 bis 23. März 2026.
  • Quorum: Für ein Zustandekommen sind 240 gültige Unterschriften nötig.
  • Einsicht: Die Vorlage liegt in der Gemeindekanzlei (3. OG) auf oder kann online unter www.schmerikon.ch eingesehen werden.

Sollte kein Referendum zustande kommen, wird das Reglement zum vom Gemeinderat festzusetzenden Zeitpunkt in Kraft treten und damit die Ära der fixen Schulhausgrenzen in Schmerikon beenden.


Downloads der beiden Reglemente: