Das kantonale Tiefbauamt in St. Gallen plant und projektiert mit dem Segen der St. Galler Regierung an einer Umfahrung von Uznach. Die Beamten werden blindlings getrieben vom Gedanken, die Uzner Altstadt vom zugegebenermassen nicht angenehmen «Durchgangsverkehr» zu «entlasten».

Wie aber Herr Roggenkemper in seinem Leserbrief richtig schreibt, lösen solche Umfahrungsstrassen kein einziges Problem. Im Gegenteil, sie provozieren geradezu die nächsten Knöpfe, die dann auch «gelöst» werden sollen. So geschehen bei der Umfahrung Schmerikon. Natürlich hat der Dorfkern von Schmerikon heute weniger Verkehr als vorher. Aber eben die nächste Umfahrung lässt grüssen. Angesicht der horrenden Kosten von 300 oder noch mehr Millionen Franken muss man sich aber schon langsam Gedanken machen, ob die Umfahrung der richtige Weg ist.

Kein Fortschritt bei der Stadtbahn Obersee

Wenn ich im Verkehrssektor so viel Geld für einen solch kleinen geografischen Raum zur Verfügung hätte, würde ich mir überlegen, welche Infrastrukturmassnahmen im öffentlichen Verkehr realisiert werden könnten. Seit Jahrzehnten werkeln die kantonalen Ämter in St. Gallen an einer Stadtbahn Obersee herum. Verwirklicht ist kein einziges Projekt. Weder sind die nötigen Doppelspuren noch die versprochenen, neuen Haltestellen in Sicht. Noch spricht jemand in St. Gallen mehr ernsthaft von diesem innovativen öV-Projekt. Die Chefbeamten haben gewechselt und so auch die Ideen, die aus diesem Haus kommen. Leider gar nichts.

Kanton vernachlässigt den ÖV

Im Raum Gaster/March und im nahen Zürcher Oberland fehlen seit Jahrzehnten folgende öV-Infrastrukturbauten:

  • Doppelspur Ziegelbrücke/SG – Uznach/SG – Schmerikon/SG – Rapperswil/SG
  • Verbindungsschlaufe Schmerikon/SG – Rüti/ZH
  • Doppelspur Rüti/ZH – Jona/SG
  • Durchgehende Doppelspur Rapperswil – Hurden – Pfäffikon/SZ (Seedamm)
  • Doppelspur Uznach/SG – Kaltbrunn/SG – Wattwil/SG (Rickentunnel)
  • Neue Stadtbahnhaltestellen Spital Uznach, Schmerikon-Ost, Uznach West, etc.

Bereits in den Ortsnamen ist ersichtlich, dass die grössten Mängel im SBB-Schienennetz im Kanton St. Gallen liegen. Dieser Kanton macht sich aber seit Urzeiten keine Gedanken, ob und wie er die dringend nötigen Streckenausbauten mitfinanzieren könnte. Ohne Mitfinanzierung geht leider gar nichts. Das weiss der Kanton St. Gallen schon seit Jahrzehnten. Das war und ist ihm aber völlig egal. Er fordert nur immer vom Bund, dass dieser gefälligst diese Bauten erstellen solle.

Zuviel Investition in die Strasse

Anders bei den Strassen: Hier preschte derselbe Kanton seit Jahrzehnten mit immer grösseren und teureren Strassenprojekten wie die Umfahrung Schmerikon (1993), Umfahrungen im unteren Toggenburg, so zB Wattwil (Kosten: 125 Millionen Franken), Bütschwil (Kosten: 200 Mio. Franken) und jetzt eben wieder mit der Umfahrung Uznach (Kosten 350 und mehr Millionen Franken) vor. Da war ihm kein Projekt zu teuer.

Vielleicht könnte man sich auch einmal überlegen, das kantonale Tiefbauamt aufzulösen und in ein reines kantonales Strassen-Unterhaltsamt umzufunktionieren. Die Aufgaben wären der fachlich notwendige Unterhalt der Kantonsstrassen und nicht mehr die Planung von Mega-Projekten. Diese führen nämlich geradewegs in die nächste Falle.


Dies ist ein Beitrag von Paul Stopper, Dipl. Bauing. ETH/Verkehrsplaner, Uster

Titelbild (Symbolbild): Jan Huber

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