«Erhöhung der Lebensqualität» - mit diesem Argument wird für die Verbindungsstrasse A15-Gaster geworben. Jetzt zeigt sich: Gleichzeitig wird die Lebensqualität aber massiv gesenkt, denn das Kaltbrunner Ried, ein Naherholungsgebiet für Alt und Jung, wird darunter so stark leiden, dass die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission Einspruch erhebt.

Neue Strassen generieren mehr Verkehr

Nun kommt der Moment der Wahrheit für die Politik. Nimmt sie das «Nein» ernst und sagt: Wir müssen vielleicht ganz neue Lösungen suchen? Oder bleibt sie bei einer Lösung, die noch nie wirklich funktioniert hat? Denn wir wissen, dass 50 % des Verkehrs Quell- und Zielverkehr ist. Es würden also vermutlich weiterhin mehr als 9'000 Fahrzeuge durchs Uznacher Stadtli fahren. Und wir wissen, dass neue Strassen in der Regel mehr Verkehr generieren, so dass nach 5 Jahren die ursprüngliche Verbesserung wieder aufgehoben wird.

Politik funktioniert oft nach dem Muster: möglichst lange Negatives unter Verschluss halten, dann wenn möglich Kritiker aushebeln oder ein bisschen das ursprüngliche Projekt verbessern, um die Kritiker weichzuklopfen.

Der Historiker und Philosoph Philipp Blom hat in der Sternstunde Philosophie gesagt: «Ausbeutung, Wachstum und Selbstüberschätzung haben ausgedient. … Wir brauchen eine neue Zukunftsvision.» Er hat das mit Blick auf Corona und die Klimakrise gesagt.

Handeln wir «enkeltauglich»?

Ich glaube, das lässt sich gut auf die Diskussion um die A 15 – Gaster übertragen. Wenn wir weiterhin noch mehr Natur ohne Rücksicht auf Verluste asphaltieren, sind wir auf dem Holzweg. Oder anders gesagt: Wir handeln nicht «enkeltauglich». Sollen unsere Kinder und Enkel auch noch im Kaltbrunner Riet Natur sehen, hören, riechen können? Oder opfern wir dieses Stück Natur dem Verkehr?

Ich bin Optimist. Ich glaube daran, dass wir lernfähig sind. Ich hoffe, dass die Politik für einmal zeigt, dass sie das auch ist und deshalb sagt: «Zurück zum Start.»

Notabene: Das Projekt kosten zwischen 300 und 350 Millionen. Der Kanton muss und will in den nächsten Jahren 150 bis 200 Millionen sparen, vermutlich auch wieder in der Bildung. Wenn wir schon sparen müssen, ist es umso wichtiger, dass wir nachhaltig investieren, ohne Folgeschäden für unsere Kinder und Enkel.

Die Investition in die A 15 – Gaster ist nicht enkeltauglich. Fangen wir gemeinsam wieder bei Null an.


Dieser Beitrag ist ein Leserbrief von Werner Roggenkemper, Schmerikon

Titelbild (Symbolbild): Gabriel Meinert