Welches Vorbild sind Sie?

Welches Vorbild sind Sie?

Dieser Beitrag ist die Fortsetzung von diesem Artikel:

Eltern sein heisst Vorbild sein
Hatten Sie als Kind ein Vorbild?

Laufen Sie jeweils zum nächsten Fussgängerstreifen oder überqueren Sie die Strasse, wo immer sie gerade sind? Warten Sie, bis die Ampel grün zeigt oder laufen Sie los, weil gerade kein Auto kommt? Ermahnen Sie aber ihr Kind, immer den Fussgängerstreifen zu benutzen und nicht bei Rot über die Strasse zu gehen?

Schimpfen Sie am Abend über Ihre Arbeit, Ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen und Vorgesetzte? Sie sind genervt und nicht glücklich mit Ihrem Job? Wie soll Ihr Kind motiviert in die Schule gehen und einen respektvollen Umgang mit Schulkolleginnen und -kollegen sowie mit den Lehrpersonen pflegen?

Sie versprechen Ihrem Kind, am Sonntag eine Runde Fussball mit ihm zu spielen? Das Kind freut sich schon sehr darauf. Am Sonntag haben Sie dann aber doch keine Zeit oder Lust darauf?

Ihr Kind wünscht sich auf den nächsten Tag sein Lieblingsgericht? Sie stimmen dem zu. Am nächsten Tag gibt es aber nicht das Wunschgericht. Warum nicht? Sie hätten keine Zeit zum Einkaufen gehabt.

Erwarten Sie vom Kind, dass es zuverlässig ist, sich an vereinbarte Regeln hält und pünktlich ist?

Wie wichtig ist Ihnen Ihr Handy? Schauen Sie ständig darauf, wo immer Sie gerade sind? Wenn während des Abendessens eine WhatsApp Nachricht klingelt, müssen Sie unmittelbar schauen, wer oder was es ist?

Gibt es im Alltag immer wieder Streitigkeiten wegen des Handys? Sagen Sie Ihrem Kind oft, dass es das Handy weglegen soll?

Wie gehen Sie mit Stress und Druck um? Haben Sie gesunde Strategien, damit es Ihnen auch in stressigen Zeiten gut geht oder sind sie ständig gereizt, unzufrieden und hektisch?

Die Schule ist für einige Kinder eine grosse Herausforderung. Beobachten Sie einmal, wie ihr Kind mit dieser Belastung umgeht. Ist die Lehrperson schuld an den schlechten Noten? Hat sie die Aufgaben schlecht erklärt oder gar nicht gesagt, dass es eine Prüfung gibt?

Kennen Sie das auch? Sind es die anderen, die anders sein sollten, damit es Ihnen besser geht oder Sie Ihre Ziele erreichen?

Hand aufs Herz. Diese Situationen kennen wir alle und wir verhalten uns nicht immer vorbildlich. Wenn Sie sich in der einen oder anderen Situation erkennen, schmunzeln Sie über sich.

Wir sind nicht perfekt. Wir machen Fehler und haben Schwächen. Genau das gehört auch zur Vorbildfunktion. Reden Sie mit Ihrem Kind, dass auch Ihnen nicht alles gleich auf Anhieb gelingt. Entschuldigen Sie sich bei Ihrem Kind, wenn Sie keine Lust zum Fussball spielen haben. Suchen Sie mit dem Kind eine Alternative.

Humor hilft! Lassen Sie das Leben und die Welt ab und zu schwierig sein und machen Sie mit den Kindern etwas, das allen Spass macht. Tanzen Sie gemeinsam zu einem Musikstück, das gerade im Radio zu hören ist. Blödeln Sie mit Ihrem Kind herum. Das tut allen gut!

Abschliessen will ich mit einem Zitat, welches Karl Valentin zugeschrieben wird. Es ist einerseits tröstlich und andererseits zeigt es uns, wie gross die Verantwortung der Erwachsenen ist.

Es hat keinen Sinn, Kinder zu erziehen, sie machen sowieso alles nach.

Welches Vorbild wollen Sie sein?


Die Autorin Anita Allenspach ist Schulleiterin Kindergarten und Primarschule der Schule Schmerikon.

Der Beitrag ist auch im Gemeindeblatt 2020-10 erschienen.