Mit dem neuerlichen Vorfall in Pfäffikon/SZ ist es wieder einmal ins Bewusstsein der weiteren Öffentlichkeit gerückt, dass unser Bahnnetz verletzlich ist: Eine kleine Fahrleitungsstörung in Pfäffikon/SZ und schon ist der gesamte Bahnverkehr auf der Strecke Zürich – Ziegelbrücke – Sargans – Chur/Wien lahmgelegt. Wenn dies in Pfäffikon SZ passiert, ist ein Ausweichen über den Damm und via Uznach eben nicht mehr möglich (auch wären die Einspur-Strecken Pfäffikon/SZ – Rapperswil – Uznach – Ziegelbrücke zu wenig leistungsfähig dafür).

Von: Paul Stopper, Dipl. Bauing. ETH/Verkehrsplaner, Uster, geschrieben am 12. Januar 2019

Nach Rastatt (D) sollten die Bahn-Verantwortlichen doch gewarnt sein, wenn alles nur auf eine einzige Linie konzentriert wird. Für Störfälle braucht es Ausweich- resp. Umleitungsstrecken.

Seit mehr als vierzig Jahren steht der Bau einer Bahnverbindung von Rüti/ZH nach Schmerikon/SG in Diskussion. Aber eben nur in Diskussion. Niemand will diese Idee ernsthaft in Betracht ziehen. Die Kantone St. Gallen und Zürich wehren sich schon seit vierzig Jahren mit Händen und Füssen dagegen, einen entsprechenden Eintrag in ihre kantonalen Verkehrspläne aufzunehmen. Den SBB ist es ohnehin schnurz. Sie wollen lieber ihr Prestige-Brüttener-Tunnel-System zwischen Dietlikon/Bassersdorf und Winterthur-Töss für 2.8 Milliarden Franken und den Zimmerberg-Basistunnel Thalwil – Litti (bei Baar) für weitere 2.1 Milliarden Franken realisieren.

Mit dem Ausbau der bestehenden Linie Effretikon – Winterthur-Töss (400-500 Millionen Franken) auf vier Spuren und den Doppelspurausbau der Linie Horgen-Oberdorf – Litti (500-600 Millionen Franken) können die störendsten Engpässe beseitigt und damit die geforderte Kapazität erzielt werden. Mit den dadurch eingesparten Steuermitteln können wichtige Umleitungsrouten wie Rüti – Schmerikon und die dazugehörigen Doppelspurausbauten gebaut werden.

Die Botschaft des Bundes zum Ausbauschritt 2035 der Bahninfrastruktur ist die geeignete Gelegenheit, um in den eidgenössischen Räten die Weichen richtig zu stellen. Das bedeutet: Abstand nehmen von den wirkungslosen Prestige-Projekten und dafür Ausbau des bestehenden Netzes mit entsprechenden Lückenschlüssen. Für die Agglomeration Obersee/Zürcher Oberland bedeutet das: Forcierung der Bahnverbindungsschlaufe Rüti/ZH – Schmerikon/SG und Ausbau des immer noch einspurigen Bahnnetzes auf möglichst durchgehende Doppelspuren.

Vielleicht sollte sich die Region einmal ernsthafte Gedanken über den Bahnausbau machen. Sonst passiert nichts. Von den Ämtern ist leider keine Eigeninitiative zu erwarten.