Nach dem Augenschein und der Einigungsverhandlung, die durch das BAV geleitet wurden, hat der Gemeinderat Schmerikon beschlossen, seine Einsprache in zwei Punkten aufrecht zu erhalten. Er tut dies im Bewusstsein der hohen regionalen und kantonalen Erwartungshaltung an einen möglichst schnellen Doppelspur-Ausbau zur Umsetzung eines neuen Fahrplanes.

Die Gemeinde Schmerikon vermisst nach wie vor in der Haltung der SBB und des Kantons die Einsicht über das Ausmass des Leistungsabbaus und die Verantwortlichkeit für massive Beeinträchtigungen der Ortsdurchfahrt infolge länger geschlossener Barrieren.

Von: Félix Brunschwiler, Gemeinde Schmerikon

Der Gemeinderat Schmerikon verfolgt schon seit Jahren kritisch die Entwicklung des Bahninfrastruktur-Projekts Doppelspur-Ausbau Uznach - Schmerikon. Er hat schon zahlreiche Eingaben und öffentliche Stellungnahmen eingereicht. Es fehlt ihm keineswegs das Verständnis für das Anliegen des Kantons und der Region. Durch die Verlängerung der S4 über Uznach hinaus nach Rapperswil werden zwei stündliche Direktverbindungen zwischen der Kantonshauptstadt und der zweitgrössten Stadt des Kantons möglich und die Personen-Transportkapazität zwischen Uznach und Rapperswil wird erheblich erhöht. Ergänzend werden halbstündlich die S4/S6 im Halbstundentakt alle Stationen zwischen Rapperswil und Zielbrücke bedienen.

Leistungsabbau auf der Schiene

Die Verbesserungen für Region und Kanton stehen in grossem Kontrast zu den erheblichen Nachteilen für Schmerikon. Der neue Fahrplan sieht keine direkte Verbindung mehr in die Kantonshauptstadt vor. Was jedoch in diesem Zusammenhang schwerer wiegt ist, dass der jeweils halbstündliche Umstieg in Uznach binnen drei Minuten, verbunden mit einem Perronwechsel, zu erfolgen hat. In Rapperswil besteht neu ein Anschlussbruch in die Innerschweiz / Gotthard mit zukünftig 26 Minuten Wartezeit. Und in der wichtigsten Verbindung nach Zürich ist der perrongleiche Umstieg von und zur S5 nicht abschliessend bestätigt. SBB und Kanton stellen diesen zwar in Aussicht. Mit dem Fahrplanwechsel vom Dezember 2016 und der unangekündigten partiellen Aufhebung des perrongleichen Anschlusses von S5 zur S6 wurde das Vertrauen verspielt.

Verkehrschaos auf der Strasse vorprogrammiert

Die Einbussen im Dienstleistungsangebot auf der Schiene erfahren durch die massive Verschlechterung der Situation auf der Strasse, infolge der Verlängerung der Schliessungszeiten der Barriere an der Allmeindstrasse ein Ausmass, welches der Bereitschaft der Schmerknerinnen und Schmerkner im übergeordneten Interesse zurückzustehen, entgegensteht.

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Die A53 ist 2004 zwischen Schmerikon und Jona / Wagen eröffnet worden. Der durchschnittliche Tagesverkehr reduzierte sich erfreulicherweise in der Ortsdurchfahrt von rund 18'500 Fahrzeugen um rund 45% auf seit Jahren stabile 10'500. Zwischen den Anschlüssen Neuhaus und Rapperswil/Rüti ist die Verbindung lediglich zweispurig. In diesem Abschnitt der A53 hingegen sind die Fahrzeugfrequenzen seit dem ersten vollständigen Betriebsjahr bis 2017 von 18'100 auf 23'300 um knapp 30% gestiegen. An den Spitzenstunden an Abenden staut sich im doppelspurigen Abschnitt der A53 der Verkehr regelmässig und provoziert Ausweichfahrten entlang dem Obersee und durch Schmerikon.

Bereits heute führt die Schliessung des Bahnübergangs Allmeindstrasse mit jeweils vier Schliessungen von zwei bis drei Minuten je Stunde an Spitzenstunden zu einem Rückstau bis in die Ortsdurchfahrt, mit einer Behinderung des Durchfahrtsverkehrs. Mit dem neuen Fahrplan werden die Schliessungszeiten zwei Mal je Stunde bis zu sieben Minuten betragen und damit an Spitzenstunden einen ganz erheblichen Rückstau provozieren. Trifft dieser Rückstau auf den «Überlauf» der A53, ist das Verkehrschaos vorprogrammiert. Der heute in Uznach regelmässig bestehende Stau in den Abendspitzenstunden vom Städtchen bis Ausserhirschland / Uznaberg wird sich wohl nahtlos bis über die Ortsdurchfahrt Schmerikon verlängern. Darin gibt es auch kein Vorwärtskommen weder für den strassengebundenen öffentlichen Verkehr noch für die Blaulichtorganisationen.

Das Baudepartement des Kantons hat Entgegenkommen signalisiert und hat den Abschnitt Schmerikon der angestrebten regionalen Verbindungsstrasse A53 - Gaster als vorgezogenes Teilprojekt in Planung gegeben. Dieser Schritt wird vom Gemeinderat Schmerikon begrüsst und verdankt. Die Fertigstellung dieses Bauwerks, erst einige Jahre nach Inbetriebnahme des neuen Fahrplanes, bringt vorübergehend erhebliche Verkehrsmehrbelastungen. Zudem ist eine spätere Übernahme durch den Kanton nicht gesichert. Die Zukunft der regionalen Verbindungsstrasse ist noch offen und damit die Situation gegeben, dass Schmerikon auf den Kosten für eine Baumassnahme sitzen bleibt, bei der sie nicht als alleiniger Verursacher betrachtet werden kann. Die SBB als Betreiber und der Kanton als Besteller wollen nicht einsehen, dass sie mit den Barriereschliessungszeiten ganz substanziell in der Verantwortung für ein zu erwartendes Verkehrschaos sind. Nicht von ungefähr hält das BAV in seinem Verhandlungsprotokoll fest, dass die bisherige Haltung des Kantons in der Frage der Kantonsstrasse inkonsistent erscheint. Baudepartement und Volkswirtschaftsdepartement haben offensichtlich unterschiedliche Meinungen.

Hoffen auf das 17. Strassenbauprogramm?

Löst der Kantonsrat den gordischen Knoten? Ihm liegt Bericht und Antrag zum 6. ÖV-Programm sowie zum 17. Strassenbauprogramm vor. Die geringe Sensibilität der Regierung für die Haltung Schmerikons zeigt sich nicht zuletzt in der einseitigen Schuldzuweisung an den Gemeinderat Schmerikon, für die Verzögerung des Doppelspurausbaus verantwortlich zu sein. Es bestehen derzeit noch weitere Einsprachen als diejenige der Gemeinde Schmerikon. Zudem haben SBB und BAV in der Planung und der Behandlung des Plangenehmigungsverfahrens selber erheblich Zeit in Anspruch genommen. Auch die an der Einspracheverhandlung in Aussicht gestellte Besprechung zwischen Gemeinde, Kanton und SBB über eine mögliche Kostenübernahme wurde abgesagt.

Das mangelnde Verständnis der Regierung für die Situation zeigt sich letztendlich auch darin, dass sie bis anhin dem Antrag des Gemeinderats Schmerikon und der Region Zürichsee Linth, die A53 als vierspurige Autobahn in den kantonalen Richtplan aufzunehmen, nicht stattgegeben hat. Der Gemeinderat erhofft sich Gesprächsbereitschaft und lösungsorientiertes Handeln seitens SBB und Kanton, zumal seine Forderungen und Kritik im Zusammenhang mit dem Doppelspurausbau schon seit Jahren bekannt sind. Gegebenenfalls ergeben sich kreative Ansätze im Kantonsrat.

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