Ein schöner Dorfplatz, aber ohne Tiefgarage

«Ein schöner Dorfplatz ja, eine Tiefgarage nein.» Christian Züger befürwortet die Aufwertung des Zentrums, lehnt aber den Bau der Tiefgarage ab. In seinem Leserbrief warnt er vor den finanziellen sowie baulichen Risiken am See und empfiehlt ein Ja zur Initiative.

Ein schöner Dorfplatz, aber ohne Tiefgarage
Portrait: z.V.g., Foto (Archivbild, 2021): Thomas Müller, 8716.ch

Der Dorfplatz, wie er heute dasteht, ist kein Paradebeispiel guter Gestaltung. Er hat eine Aufwertung verdient, und dafür Geld einzusetzen, halte ich ausdrücklich für sinnvoll. Wer Ja zur Initiative stimmt, ist also nicht gegen ein attraktives Zentrum. Im Gegenteil. Was ich nicht nachvollziehen kann, ist die Verknüpfung dieser Aufwertung mit einer Tiefgarage.

Der Tiefgarage fehlt die rationale Grundlage

Eine Tiefgarage stellt nicht automatisch mehr Parkplätze zur Verfügung, und nach meinem Verständnis sind heute ausreichend Plätze vorhanden. Unser Gewerbe braucht für kurze Einkäufe gut erreichbare oberirdische Kurzzeitparkplätze und keine teure unterirdische Anlage. Der Nutzen steht für mich in keinem Verhältnis zum Aufwand.

Der Baugrund ist ein reales Risiko

Ich wohne selbst in Seenähe und erinnere mich gut an die Bauzeit: Wegen des Grundwassers hatten wir deutliche Probleme. Beim Zentrum ist der Seeanstoss noch unmittelbarer. Für mich liegt auf der Hand, dass die baulichen Risiken dort eher grösser sind. Dazu kommen Zusatzkosten, die heute vermutlich nur bedingt seriös beziffert werden können. Genau solche Überraschungen kann sich unsere Gemeinde in der aktuellen Lage aus meiner Sicht nicht leisten.

Die finanziellen Voraussetzungen haben sich verändert

2020 betrug die Nettoschuld rund 990 Franken pro Einwohner, 2024 bereits rund 2’270 Franken; gleichzeitig ist das Eigenkapital pro Kopf gesunken. Dazu kommen die gestiegenen Baukosten. Beschlossen wurde das Projekt unter ganz anderen Vorzeichen. Ich bin nicht der Meinung, dass unsere Gemeinde heute in der Lage ist, ein Vorhaben dieser Grössenordnung zu stemmen.

Andere Projekte sind dringender

Eine direkte Zufahrt zur Industrie, anstatt über den Bahnübergang bei der Allmeindstrasse, ist seit vielen Jahren ein offenes Anliegen und noch immer nicht umgesetzt. Für die Schwertransporte und damit für unsere Arbeitsplätze wäre das eine erhebliche Erleichterung. Es wäre doch schön, wenn wir zuerst solche Themen lösen, bevor wir das nächste angehen.

Eine einfachere Lösung ist möglich

Aufwertung heisst nicht zwingend Millionenprojekt. Es gibt bestimmt mehrere Möglichkeiten, den Dorfplatz ohne den Bau einer Tiefgarage aufzuwerten. Und ich vermute, dass für die meisten der Dorfplatz selbst wichtiger ist als die Tiefgarage. Warum also sucht man nicht einen gemeinsamen Nenner?

Nochmals abstimmen ist ein demokratisches Recht

Für das Zustandekommen der Initiative hätten 240 gültige Unterschriften genügt, zusammengekommen sind 646. Deutlicher kann man kaum zeigen, dass in Schmerikon breit der Wunsch besteht, über dieses Projekt ein zweites Mal zu befinden. Genau dafür gibt es das Initiativrecht. Kein Beschluss gilt für die Ewigkeit: Die politische Marschrichtung überprüfen wir bei jeder Wahl neu, und auch in Sachfragen hat unser Land schon mehrfach ein zweites Mal entschieden. Das Frauenstimmrecht und der UNO-Beitritt scheiterten im ersten Anlauf und fanden später eine Mehrheit. Wenn sich die Voraussetzungen verändern, darf die Bevölkerung ihren Entscheid überprüfen. Diese Gelegenheit haben wir jetzt.

Bereits ausgegebenes Geld ist kein Argument

2021 kam nur das Gesamtpaket vors Volk: Wer den Dorfplatz wollte, musste die Tiefgarage mitkaufen. Diese Kombination war nicht ideal gewählt. Und dass inzwischen Kosten entstanden sind, ist für mich kein Grund, daran festzuhalten. Wie im Geschäftsleben darf man frühere Entscheide aktiv hinterfragen: Passen sie noch in die heutigen Rahmenbedingungen? Nur weiterzumachen, weil man schon angefangen hat, halte ich nicht für den richtigen Weg.

Ein schöner Dorfplatz ja, eine Tiefgarage nein. Deshalb stimme ich am 27. September Ja zur Initiative Zentrumsgestaltung.

Christian Züger