Verdichtung und Hochhäuser: Schmerikon sucht den Befreiungsschlag

Schmerikon prescht bei der Innenverdichtung vor: neu soll im Richtplan in der Allmeind eine Hochhauszone definiert werden. Bis zu 600 neue Wohnungen und Flächen für Büros sollen möglich sein. VR-Brillen-Tour im Mai, Mitwirkungs-Workshops im Juni.

Verdichtung und Hochhäuser: Schmerikon sucht den Befreiungsschlag
Wie Schmerikon mit der Hochhauszone aussehen könnte - eine schnelle Visualisierung mit KI generiert

Am 8. und 11. Juni 2026 redet die Schmerkner Bevölkerung wieder mit. Nach einem planungsrechtlichen «Marschhalt» und hitzigen Debatten um Wachstumsstrategien und Innenverdichtung startet der Gemeinderat den zweiten Mitwirkungs-Versuch für den neuen kommunalen Richtplan.

Die Ortsplanung geht in die nächste, hoffentlich nun entscheidende Phase. Wie der Gemeinderat an der Bürgerversammlung vom 30. März 2026 ankündigte, ist die Bevölkerung im Juni zu zwei Workshops eingeladen. An diesen Abenden soll aktiv am zukünftigen Richtplan mitgewirkt werden. Dass die Gemeinde diesen Weg wählt, kommt nicht von ungefähr: Es ist bereits der zweite Versuch, einen Konsens für die räumliche Entwicklung der Seegemeinde für die nächsten 25 Jahre zu finden.

Dichte, Wachstum und Sondernutzungen

Rückblick: Im Frühjahr 2024 wurde der Entwurf des neuen Richtplans schon einmal der Mitwirkung unterstellt. Das Resultat war ernüchternd. Die Haltungen aus der Bevölkerung divergierten stark. In den 16 eingegangenen Stellungnahmen mit über 50 Anträgen kristallisierten sich die Reizthemen schnell heraus: Es ging um das Spannungsfeld von Wachstum, Verdichtung, Freiräumen und der Pflicht für Sondernutzungspläne.

Hintergrund dieser Debatte ist die vom Bund geforderte Innenverdichtung. Um den Boden haushälterisch zu nutzen, muss innerhalb des bestehenden Siedlungsgebiets dichter und stellenweise auch höher gebaut werden. Die Diskussion um Sondernutzungszonen fordert von der Gemeinde viel Fingerspitzengefühl, um das Ortsbild und die Akzeptanz der Anwohnerschaft nicht zu gefährden.

Der «Marschhalt» von 2024

Aufgrund der massiven Kritik hatte der Gemeinderat im Herbst 2024 die Reissleine gezogen. Um die festgefahrene Situation zu lösen, wurde ein externer Fachplaner für eine Zweitmeinung beigezogen. Dieser empfahl nach einer Stärken-Schwächen-Analyse einen sofortigen «Marschhalt». Bevor der Richtplan finalisiert werden könne, müssten Lücken bei der konkreten Innenverdichtungsstrategie, der Wachstumsstrategie und vor allem bei der Verkehrserschliessung geschlossen werden.

Zusätzliche Kopfschmerzen bereitet der Gemeinde die Arbeitszonenbewirtschaftung in ebenjenem Gebiet südlich der Bahnlinie. Die nötige verkehrstechnische Optimierung der grossen, überbauten Arbeitszonen ist für Schmerikon allein kaum finanzierbar und erfordert kantonale Hilfe.

Fokus Allmeind: 80-Meter-Türme - Rückschlag für die Ortsgemeinde

Speziell im Zentrum der Kontroverse steht die geplante neue Hochhauszone südlich der Bahnlinie im Gebiet Allmeind. Die dort angedachten Dimensionen sind für Schmerikon beachtlich: Die neue Zone soll den Bau von bis zu fünf Hochhäusern mit bis zu 24 Stockwerken beziehungsweise 80 Metern Höhe erlauben.

Für die Ortsgemeinde hat die aktuelle Verzögerung bittere Konsequenzen. Sie plant bereits seit einem Jahrzehnt an der Überbauung dieses Areals und wird durch die Rückweisung und Neuauflage des Richtplans nun faktisch wieder auf Feld eins zurückgeworfen.

Im Schmerkner Richtplan soll neu eine Hochhauszone festgesetzt werden (Bild: Thomas Müller , Karte: geportal.ch/ktsg)

Mit VR-Brillen in die Zukunft blicken

Ende 2025 wurden die Weichen mit dem neuen Planungsbüro auf Neustart gestellt, um den Richtplan basierend auf den Zusatzabklärungen anzupassen.

Um die oft abstrakten Bauvorhaben – insbesondere die geplanten Hochhäuser in der Allmeind – greifbar zu machen, geht Schmerikon jetzt innovative Wege. In Zusammenarbeit mit der Fachhochschule OST werden ab Mitte Mai Besichtigungstouren mit Virtual-Reality-Brillen angeboten. Alle interessierten Personen können sich so direkt vor Ort in der realen Umgebung über drei mögliche Entwicklungsszenarien informieren.

Diese visuelle Hilfestellung dürfte eine optimale Vorbereitung für die anschliessenden Workshops am 8. und 11. Juni 2026 bieten. Dann wird sich zeigen, ob die überarbeiteten Konzepte zu Verdichtung, Bauhöhen und Sondernutzungszonen dieses Mal mehrheitsfähig sind.


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