Lesen Sie hier den zweiten Teil unserer Serie über die Geschichte der JMS-Gruppe und der beiden Ledischiffe LS Stäfa und LS Steinschiff.

Von: Bettina Jud, JMS

1955 – 1990:
Die Entstehung & Entwicklung der JMS-Gruppe auf und um den Obersee

30 Jahre nach der Gründung der Johann Müller & Cie. im  Jahre 1929 stand eine neue Generation zur Firmenführung bereit. Die  darauf folgenden 40 Jahre brachten für die Schmerkner Unternehmung  grosse Veränderungen mit sich.

Das Generationenwerk wird fortgeführt

Ab Mitte der 1950er-Jahre des letzten Jahrhunderts wandelte sich das Weltgeschehen zunehmend, was auch in Schmerikon nicht ohne Folgen blieb.  Nach zwei Weltkriegen bahnte sich mit dem Wirtschaftsaufschwung eine neue Ära an. Mit Josy Jud-Müller und Alice Ressegatti-Müller war zum Ende des 2. Weltkrieges die zweite Generation in der Unternehmung aktiv und die beiden Frauen sorgten ab 1948 zusammen mit Beat Jud-Müller nicht nur innerhalb der Firma für Veränderungen. Josy und Alice gehörten zu den ersten Autofahrerinnen unserer Region und nutzten dies nebst dem Führen des Büros auch, um die Mitarbeitenden täglich zu den Baustellen rund um den Zürichsee zu chauffieren.

Mit 73 Jahren starb Johann Müller im Jahr 1962 und die 2. Generation übernahm unter dem neuen Präsident des Verwaltungsrates, Ständerat Dr. Paul Hofmann aus Rapperswil die Firmenführung. Beat Jud-Müller war für  den Ausbau des Werkareals Ziegelhof und den Abbau an Land sowie für den Erdbau zuständig. Die «Seegfrörni» brachte die Bauindustrie in Winter 1962/63 zum Stillstand und die Unternehmung überlebte nur dank dem Grossauftrag Joweid in Rüti ZH. Daraus entwickelte sich die Abteilung Erdbau, die schliesslich ihrerseits dafür sorgte, dass alle Kiesgruben wieder aufgefüllt wurden.

Steinschiff und Linthschiff beim Beladen mit dem Schwimmbagger im Ziegelhof in den 50er-Jahren. Die Holzplanken wurden durch Stahlplatten ersetzt.
Entlad von Vorlagsteinen für die Linthmelioration bei der Grynau um 1950.

Das Fahrwasser änderte sich langsam aber stetig

Die 70er-Jahre brachten viele Veränderungen, die sich auch auf  dem See widerspiegelten. 1970 wurde beim Steinschiff der Motor durch einen modernen Dreizylinder-Dieselmotor von GM ersetzt und man schweisste die noch heute bestehende Vertiefung im Bauch des Schiffes ein. Dank diesen Anpassungen konnten Schüttgüter wie Sand und Kies sicherer transportiert werden und das Fassungsvermögen des Steinschiffes erhöhte sich von 60 auf 100 Tonnen. Die LS Stäfa transportierte bis 1977 pro Fuhre über 200 Tonnen Kies und Sand vom Hurdnerfeld, dem Ziegelhof oder dem Kieswerk Grynau bis nach Zürich-Wollishofen, Stäfa und Wädenswil. Durch die Schliessung des Umschlagplatzes Zürich, in Folge Nichterneuerung des Arealmietvertrages durch die Stadt Zürich per Ende 1980, entfiel ein Grossteil des Transportvolumens und die LS Stäfa  fuhr ab 1978 hauptsächlich nur noch auf der Strecke Grynau – Stäfa.

1982 trat mit Beat Jud-Raymann die dritte Generation in die Unternehmung ein, wobei er die erste Führungsverantwortung gleich mit  der Gründung des Spezialtiefbaus übernahm. Die ersten Rammpfähle wurden unweit von der Basis, beim Zentrum Frohsinn in Uznach, in den Boden getrieben. Nur vier Jahre später folgte sein jüngerer Bruder Ueli Jud, der – basierend auf den neuesten Gesetzesänderungen – die höchst  anspruchsvolle Planung der Kiesgruben und die damit verbundenen Abbaubewilligungen umsetzte. Auch Josy Jud-Müller wurde in ihrer Tätigkeit als Finanzbuchhalterin und Leiterin Administration entlastet, denn damals wurden die ersten – heute nicht mehr wegzudenkenden – Computer in Betrieb genommen.

Ufersicherung für die Linthbrücken der Autobahn A3 mit Sandsteinen um 1970.

Eine neue Ära – Sinnbild für die Unternehmung und die «LS Steinschiff»

Das mittlerweile knapp 80-jährige Steinschiff erhielt im Jahr  1990 eine neue Aufgabe und wurde vom Materialtransport zum reinen Personentransportschiff umgebaut. Dabei wurde der Motor durch einen effizienteren Vierzylinder-Diesel ersetzt und der Lastraum mittels Blachenaufbau und Verdeck witterungsfest gemacht.

Es zeigte sich: nichts ist so stetig wie der Wandel – doch auch in dieser schnelllebigen Zeit sollten Traditionen gepflegt werden. So war es in den 60er Jahren Brauch, dass am Weissen-Sonntag alle Erstkommunikanten nach dem Mittagessen an einem Schiffsausflug teilnehmen konnten. Seit Jahren erfolgt immer am 2. Samstag im Juni eine Überfahrt nach Altendorf, auf die sich die Schmerkner Einsiedler-Pilger morgens um 5 Uhr begeben. Und auch der Sankt Nikolaus zieht mit seinem Gefolge vom Buechberg her ins Dorf Schmerikon ein. Damit schaffte es unser «LS Steinschiff» bereits zur besten Sendezeit in die Tagesschau des Schweizer Fernsehens. Nichts ist dazu bestimmt immer so zu sein, wie es einmal war und doch schätzen und pflegen wir die bestehenden Werte.

LS Stäfa beim Beladen mit 200 Tonnen Sand und Kies im Werk Grynau 1980.

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