Eingesandt von: Peter Kuster, Kuster Sport

Redaktion (Red.): Otto Kuster, was hat dich 1968 konkret zur Eröffnung von Kuster Sport bewogen? Und wie sahen damals die Umstände und Bedingungen für eine solche Gründung aus?

Otto Kuster (O.K.): Mein Vater führte eine Wagnerei, bot bereits aber auch Skis an. Als er dann ans Aufhören dachte, erkannte ich Chancen. Umso mehr, weil mich der Verkauf gereizt hat, vielleicht gar etwas mehr als die Holzbearbeitung in der Wagnerei. Meine Frau Ruth und ich gingen also das Risiko ein. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn es galt die Starthilfe meiner Eltern in Form des Wagnerei-Inventars im Wert von 15‘000 Franken abzuzahlen und zu verzinsen…

Red.: Wie haben sich die ersten Geschäftsjahre entwickelt? Gewiss gab es im Laufe deiner Zeit als Inhaber Höhen und Tiefen…

O.K.: Die ersten beiden Winter-Saisons liefen sehr gut, so dass wir uns rasch einen Namen als «Ski-Kuster» machen konnten. Steigender Platzbedarf und der Sortimentsausbau mit Sommersport-Artikeln bedingten einen geeigneten neuen Standort. Fündig wurden wir im Dorfkern, wo meine Frau und ich das neue Geschäftslokal selbst umgebaut und hergerichtet haben. Allerdings lief es darin die ersten paar Jahre recht hart, weil sich das Sortiment bald als zu breit, fast schon «verzettelt» erwies. So gab es von diversen Ballsport-Arten über Wasser- und Surf-Sport bis zu Camping-Artikel quasi alles, was konjunkturell ein Auf und Ab nach sich zog. Trotzdem gelang uns ein ein stetes Umsatzwachstum, sichtbar mit dem Umzug an den aktuellen Standort 1989, wo 1‘600 qm Verkaufsfläche zur Verfügung stehen.

Red.: Kuster Sport setzte also schon unter deiner Leitung gerne eigene Akzente. Siehst du dir den Sportartikel-Markt aus deiner Warte an, wie beurteilst du dessen Entwicklung?

O.K.: Im Laufe «meiner» Jahre erlebten wir ein Kommen und Gehen immer neuer Trends. Einige davon griffen wir wohl etwas zu früh auf, so dass wir bereits daran dachten, damit aufzuhören, als sie sich dann unerwartet überall durchsetzten. Rückblickend betätigten wir uns wohl als Pioniere dafür (zwinkert mit dem Auge, Anm.). Während früher jedoch Trends länger anhielten, sich schliesslich durchzusetzen vermochten, erweisen sie sich heute als wesentlich kurzlebiger, z.T. verschwinden einige Sportarten komplett.

Alles in allem zeigte und zeigt es sich, dass man als Fachgeschäft heute den Weg der Spezialisierung beschreiten muss, ansonsten einem gegenüber den Grossen der Branche und dem reinen Online-Handel so gut wie keine Chancen mehr bleiben.

Red.: Seit1997 führen deine Söhne KUSTER SPORT. Angesichts der Geschäftsentwicklung seither bist du sicher stolz auf sie. Was machen Peter und Reto anders als du, und wo gibt es Gemeinsamkeiten?

O.K.: Vergleichsweise habe ich wohl mehr «aus dem Bauch heraus», also eher intuitiv eingekauft und das Sortiment geplant. Was gewiss eine grössere Risikobereitschaft mit sich brachte. Geholfen hat mir dabei stets die tatkräftige Mitwirkung meiner Frau Ruth über viele Jahre, nicht zuletzt deshalb, weil es damals noch keine EDV gab.

Ich begrüsse es sehr und finde es richtig, dass Peter und Reto sich tatsächlich auf wenige Sportarten spezialisieren, weil nur dieses Geschäftsmodell Zukunft hat. Gemeinsam sind mir und meinen Söhnen nebst Leidenschaft für den Sport auf jeden Fall Freude an unternehmerischer Selbständigkeit.

Red.: Otto Kuster, recht herzlichen Dank für das interessante Gespräch.